Gefährliche „falsche Bescheidenheit“

Im Mittel warteten Frauen 37 Minuten länger als Männer, bis sie sich bei Symptomen eines Herzinfarkts um medizinische Hilfe bemühten. Das ergab eine retrospektive Analyse der Daten von 4.360 Patienten (967 Frauen und 3.393 Männer), die zwischen 2000 und 2016 wegen eines ST-Hebungsinfarktes im zweitgrößten PCI-Zentrum der Schweiz (Triemli-Klinik) behandelt wurden. Die Autoren führen die verzögerte Hilfesuche der Frauen darauf zurück, dass sie ihre Symptome als weniger schwerwiegend einschätzen als Männer. Bereits 2017 ergab eine Studie deutscher Kardiologen, dass ältere, über 65-jährige Frauen am längsten warten, bis sie nach Auftreten der ersten Symptome eines Herzinfarkts in eine Klinik-Notaufnahme kommen. „Der Unterschied zwischen älteren Frauen und allen anderen von uns untersuchten Gruppen, nämlich jüngeren Frauen unter 65 Jahren sowie Männern über und unter 65 Jahren, ist eklatant“, so Professor Karl-Heinz Ladwig, einer der beteiligten Studienautoren („American Journal of Cardiology“). 

Gründe für die langen Entscheidungszeiten sahen Ladwig und seine Kollegen im psychologischen Bereich, unter anderem in einer „Bescheidenheit“ der Betroffenen, die in diesem Fall völlig unangebracht ist.