Female Health Hackathon in Berlin:
In Teams zu neuen Lösungen

Neue Technologien und Frauengesundheit. Interessante Antworten auf die Kompatibilität dieses Wortpaars fand der erste Fraunhofer Hackathon, der vom 2. bis 4. November in Berlin stattfand. Dazu Projektleiterin Tea Böhm, Fraunhofer Venture (A3): „Die Herausforderungen im Gesundheitswesen sind derartig komplex, dass wir im Rahmen neuer Formate über unterschiedlichste Disziplinen hinweg zusammenarbeiten müssen. Fraunhofer kann hier einen entscheidenden Beitrag leisten, indem wir den technologischen Kern innovativer und marktreifer Lösungen bereitstellen.“

Sie berichtet, dass die Veranstaltung in Kooperation mit neun Fraunhofer-Instituten, der Charité, dem Berliner Gesundheitsinstitut (BIH) und der Initiative „Hacking Health“ entstand. „Im Berliner Fraunhofer-Forum entwickelten 90 interdisziplinäre Teilnehmer wie Ärzte, Patienten, Krankenpfleger, Entwickler und Forscher in 14 Teams über drei Tage hinweg neue, technologiebasierte Ideen.“

Stellt sich uns zunächst die Frage: Was ist überhaupt ein Hackathon? Diese Wortschöpfung aus „Hack“ und Marathon ist gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts im Zusammenhang mit einer in jedem Fall gemeinsamen Suche nach nützlichen Lösungen für Software- oder inzwischen auch andere Produkte innerhalb eines kurzen Zeitrahmens entstanden. Das Produkt oder besser der Themenbereich war in diesem Fall Gesundheit oder –noch spezieller – Frauengesundheit. Mehrere Themenkomplexe wurden von den Teams bearbeitet: „Geriatrische Medizin und Inkontinenz“, „Weibliche psychische Gesundheit“, „Endometriose“ und „Brustkrebs“.
Wir fragen Tea Böhm: Hat sich das Format Hackathon in Bezug auf das Thema Frauengesundheit bewährt?

„Ja, allein deshalb schon, weil wir so viele Frauen dafür begeistern konnten. Normalerweise ist die übliche Zusammensetzung bei Hackathons oft – 90, 95 Prozent Männer und nur 5 bis 10 Prozent Frauen. Wir hatten aber zu 75 Prozent weibliche Teilnehmer! Im Kern müssen die Lösungen gerade bei diesen Themen schon von Frauen für Frauen entwickelt werden, und das ist ein gutes Format dafür. Wir haben auf die Weise auch einen spannenden Nebeneffekt: Wir haben auf der einen Seite die Frauen gelockt, die sich im Normallfall nicht von einem Hackathon angesprochen gefühlt hätten, und auf der anderen Seite haben wir diese Frauen gleichzeitig untereinander vernetzt.“

Wie kam es zu diesen Teams? Dazu die Projektleiterin:
„Wir hatten über 300 Bewerbungen und haben nach Können, Interdisziplinarität und Motivation die besten Kandidat/innen ausgewählt. Einige waren schon als Team formiert, haben nur noch nach Team-Ergänzungen gesucht. Die meisten haben sich jedoch am ersten Abend zusammengefunden. Viele Einzelpersonen hatten bereits konkrete Ideen und haben diese dann auf der Bühne vorgestellt, und so konnten andere Teilnehmer sich diesen anschließen. Die Interessierten hatten vor dem Hackathon Zugang zu einer Plattform mit Chatfunktion, Forum etc., wo sie sich untereinander vernetzen und Teams bilden konnten. Dieses Forum wurde intensiv genutzt.“
Am Abschluss wurden die Ergebnisse vorgestellt, eine Jury bewertete: Den ersten Platz belegte das Team „PeriPower“. Es hatte zum Thema „Geriatrische Medizin & Inkontinenz“ eine App und einen Sensor vorgestellt, die das Pflegepersonal über einen notwendigen Windelwechsel bei bettlägerigen Patienten informieren. Den 2. Preis erhielt das Team „Mellowdie“ mit einem Tool zur Stimmungsanalyse von über den Streamingdienst Spotify angebotene Musik mit dem Ziel der Vorbeugung und verbesserten Diagnostik von Depressionen. Ebenfalls auf dem Siegertreppchen stand das Team „Juliet“, das den 3. Preis für die Entwicklung eines intelligenten Tampons für Patientinnen mit Inkontinenz erhielt. 
Alle drei Projekte können nun mit finanzieller Starthilfe und begleitet von professionellen Mentoren die Umsetzung ihres Forschungs- oder Gründungsvorhabens vorantreiben und ihre Ideen und Prototypen bis zur Marktreife weiterentwickeln. Und was für den Veranstalter auch wichtig war: Diese drei Teams haben Fraunhofer-Technologie genutzt.

Die Veranstaltung war also erfolgreich – aber waren die Sieger nicht eigentlich bis auf das Tampon-Projekt ja nicht unbedingt in Sachen Frauenmedizin unterwegs... Dazu meint Tea Böhm:

 „Das ist zufällig entstanden und auch in Ordnung so. Wir müssen der Kreativität der Teams und ihrer eigenen Schwerpunktsetzung den entsprechenden Freiraum geben. Und natürlich können viele Ergebnisse auf Patientinnen übertragen werden, weil sie mit dieser Zielstellung entwickelt wurden. Weitere Veranstaltungen dieser Art können durchaus auch gendermedizinische Aspekte, also der geschlechtergerechten Gesundheitsversorgung, bearbeiten.
Haben Sie da konkrete Ideen oder Vorschläge?“

Wir geben die Frage gern an unsere Leserinnen und Leser weiter!
Annegret Hofmann