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Über relevante Erkenntnisse und Handlungsfelder

Gleich zwei Neuerscheinungen zu Aspekten von Gesundheit und Geschlecht bieten interessante Informationen an langen Herbstabenden:
Bei transcript erschien in der Reihe Gender Studies unter der Herausgeberschaft von Mariacarla Gadebusch Bondio, München, und Elpiniki Katsari, Greifswald, „Gender-Medizin – Krankheit und Geschlecht in Zeiten der individualisierten Medizin“. Der interdisziplinäre Sammelband gibt einen breiten Überblick über den Stand geschlechtersensibler Erkenntnisse in unterschiedlichen Fächern, immer den Zusammenhang mit der Vision einer individualisierten Medizin herstellend. Als richtungsweisend mag dabei gelten, was die Medizinethikerin Mariacarla Gadebusch Bondio in ihrem Beitrag schreibt: „Geschlechterspezifische Forschungsansätze stehen... vor der individualisierten Medizin. Sie versprechen bessere individualisierte Prävention, Gesundheitsversorgung und Therapien. Eines steht fest: Sowohl Frauen als auch Männer werden davon profitieren.“

Mariacarla Gadebusch Bondio / Elpiniki Katsari (Hg.)
›Gender-Medizin‹ Krankheit und Geschlecht
in Zeiten der individualisierten Medizin
(unter Mitarbeit von Tobias Fischer)
10/2014, 212 Seiten, kart., zahlr. z.T. farb. Abb.
ISBN 978-3-8376-2131-0
Print 29,99 Euro, e-Book 26,99 Euro

Heft 9/2014 des Bundesgesundheitsblattes befasst in 11 sehr grundlegenden Beiträgen mit Themen aus verschiedenen Fachbereichen, die „Gesundheit und Geschlecht“ bearbeiten. Die Gendermedizin werde, so schreiben die Moderatoren des Heftes (Prof. Dr. Dr. Z. Koch-Gromus und Prof. B. Gromus, Hamburg) in ihrem Editorial, „heute deutlicher ernst genommen als noch vor 20 Jahren“, trotzdem befinde sich die Gendermedizin in vielen Bereichen noch in einem frühen Stadium. Sie verweisen darauf, dass die Ideologielastigkeit der Diskussion deutlich abgenommen habe, es gehe vielmehr um die Gewinnung von Evidenz (genau dies will auch unser Netzwerk – umso erfreulicher, dass sich unter den Autorinnen und Autoren dieser Ausgabe etliche finden, die seit längerem Mitglieder des Beirates und Mitgestalter unseres Netzwerks sind!)
In den Beiträgen u. a. von Alexandra Kautzky-Willer, Ingeborg Jahn, Dirk Gansefort, Andrea Kindler-Röhrborn und Bettina Pfleiderer, von Vera Regitz-Zagrosek und Christiane Gleissner geht es um relevante Erkenntnisse und Handlungsfelder, die letztlich als Qualitätsanspruch an eine moderne Medizin verstanden werden müssen. Die dringend notwendige Akzeptanz einer geschlechtersensiblen Medizin in der wissenschaftlichen und medizinischen Welt, aber auch im Gesundheitsbetrieb generell wird damit wieder ein Stück befördert.

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