Männerdefizit: Migräne muss neu definiert werden

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10.01.2024
Geschlechtsspezifische Unterschiede und die Schwierigkeiten, genaue Schätzungen der Migräneprävalenz zu erhalten, werden wissenschaftlich immer wieder diskutiert, so auch unlängst auf dem 17. European Headache Congress in Barcelona.

Die Migräne wird weithin als vorwiegend weibliche Erkrankung angesehen. Häufigkeit, Dauer und Schweregrad sind bei Frauen tendenziell höher. Und auch die Wahrscheinlichkeit, dass eine Migräne diagnostiziert wird, ist bei Frauen höher als bei Männern. Allerdings erschweren geschlechtsspezifische Erwartungen, Unterschiede bei den Eigenangaben und Probleme bei der Klassifizierung der Migräne die Abschätzung der tatsächlichen Prävalenz bei Männern und Frauen. 

„Durch die Fixierung auf Symptome, die häufiger von Frauen berichtet werden, kann das Klassifikationssystem männliche Symptome übersehen, weil sie falsch eingeordnet werden“, so Dr. Tobias Kurth von der Berliner Charité, was unter anderem dazu führe, dass Migräne bei Männern unterdiagnostiziert ist. 

Dazu Prof. Dr. Christian Lampl, Neurologe am Konventhospital der Barmherzigen Brüder in Linz, Österreich, und Präsident der European Headache Federation, gegenüber MedScape: „Ich bin überzeugt, dass dieses 3:1-Verhältnis, das seit Jahrzehnten durch die Lehrbücher geistert, falsch ist, aber wir haben immer noch keine neuen und besseren Daten.“ Es bedürfe daher einer neuen Definition der Migräne.
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